Kreuzband - OP: ja oder nein?

   
Der vordere Kreuzbandriß ist eine typische unfallbedingte Knieverletzung.
Seit dem Zeitalter der Kernspintomografie wird im Regelfall die Diagnose frühzeitig nach dem Unfallereignis gestellt. In seltenen Fällen kommen die Patienten zu einem späteren Zeitpunkt mit Instabilitätssymptomen zur Behandlung, bei der erst dann die Diagnose einer vorderen Kreuzbandverletzung gestellt wird.
 
   

Die sinnvolle operative Maßnahme, der vordere Kreuzbandersatz, ist geklärt. Das verletzte Kreuzband wird durch eine körpereigene Sehne ( Quadriceps-, Patella- oder Hamstring-Sehne) ersetzt. Die Wahl der zu verwendenden Sehne hängt u.a. vom Beruf, Alter und Hauptsportart ab.
Der Operateur erklärt die jeweiligen Vor- und Nachteile und legt gemeinsam mit dem Patienten die sinnvollste Operationsmethode fest.

 
   

Die gewählte Sehne wird über einen kleinen Hautschnitt entnommen, anatomiegerecht unter arthroskopischer Kontrolle in das Kniegelenk eingezogen und mit bewährten Fixationsmaterialien (resorbierbare Schrauben oder Stifte) befestigt.

 

   
Mit dieser Technik kann das Kniegelenk nach OP sofort bewegt und nach wenigen Tagen auch ohne Unterarmgehstützen vollbelastet werden. Eine äußere Schienung ist im Regelfall nicht notwendig. Begleitverletzungen (Meniskus, Knorpel) werden in gleicher Sitzung versorgt. Der stationäre Aufenthalt beträgt 2-4 Tage.  
   
Eine intensive Krankengymnastik ist für 2-3 Monate nach OP notwendig.
Eine Wiederaufnahme von Leistungssport ist nach 3 Monaten, Wettkampfsport nach 6 Monaten möglich.
 
   
Die Notwendigkeit und der Zeitpunkt der Operation sind eine individuelle Entscheidung zwischen dem Patienten und dem Behandler. Eine Notfalloperation innerhalb weniger Tage nach der Verletzung ist nur in besonderen Fällen (blockierter Meniskus) zu erwägen. Vielmehr muss das Gelenk vor einem Kreuzbandersatz wieder reizfrei und gut beweglich sein. Dieses dauert im Regelfall 2-6 Wochen.  
   
Wir raten jungen sportlichen Kreuzbandverletzten zu einem operativen Kreuzbandersatz, da ohne vorderes Kreuzband gerade bei Ballsportarten ein erhöhtes Risiko für Folgeschäden an Meniskus und Knorpel besteht.  
   
Aus persönlichen Gründen kann ein Eingriff auch mehrere Monate verschoben werden.  
   
Bei älteren (>40 Jahre) oder unsportlichen Patienten ist nicht zwingend ein operativer Eingriff notwendig. Bei diesen Patienten kann nach einem intensiven krankengymnastischen Übungsprogramm neu entschieden werden.  
   
Nur bei Instabilitätsymptomen und Schmerzen ist ein Eingriff anzuraten.

 
   
Durch die moderne Diagnostik, modernste OP-Techniken und frühe Mobilisierung nach der Operation können 80% der vorderen Kreuzbandverletzten wieder in ihrer Sportart voll aktiv werden.  
   
Die früher nicht selten zur Sportunfähigkeit führende Verletzung hat ihren Schrecken komplett verloren und ist ein häufiger Regeleingriff der operativen Orthopäden.